Das machen wir!


September 2003 - Heft 1 (Internet-Fassung)

Persönliche Zukunftsplanung - Kurzinformation

Das Projekt "Zeit für Veränderungen"

Das Projekt Zeit für Veränderungen gibt es seit Januar 2003. Das Projekt hat ein wichtiges Ziel: Mehr Menschen sollen die Ideen der Persönlichen Zukunftsplanung kennen lernen.

Der Verein Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V. macht das Projekt. Das ist ein Verein von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Das Projekt wird von der Aktion Mensch mit Geld unterstützt.

Das wurde in dem Projekt schon gemacht:

Das wird in dem Projekt in den nächsten Monaten noch gemacht:

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Was ist Persönliche Zukunftsplanung?

Die Ideen der Persönlichen Zukunftsplanung kommen aus Nordamerika. Dort werden Zukunftsplanungen schon seit über 15 Jahren von Menschen mit und ohne Behinderung gemacht.

In Deutschland kennen viele Menschen die Ideen der Persönlichen Zukunftsplanung noch nicht.

Und was ist Persönliche Zukunftsplanung jetzt eigentlich?

Eine Persönliche Zukunftsplanung macht man, um gemeinsam mit anderen Menschen über sein Leben und seine Zukunft nachzudenken.

Man macht eine Zukunftsplanung, wenn man nicht mehr zufrieden ist und sein Leben verändern will. Es geht darum, was man aus seinem Leben machen will. Welche Träume und Wünsche hat man? Welche Ziele hat man?

Persönliche Zukunftsplanungen kann man für alle möglichen Dinge machen. Zum Beispiel wenn man seine Arbeit, Wohnen oder Sachen in der Freizeit verändern will.

Wenn man über seine Zukunft selbst bestimmen will, muss man über viele, ganz schön schwierige Fragen nachdenken.

Zum Beispiel:

Bei einer Persönlichen Zukunftsplanung geht es darum, wie man sein Leben verändern kann. Die Person, die sich verändern will, überlegt sich, wie sie ihrem Ziel näher kommen kann.

Dabei ist es gut, von verschiedenen Menschen unterstützt zu werden. Die Unterstützungspersonen helfen der Person, die sich verändern will, bei der Zukunftsplanung. Sie helfen auch, dass die Ideen in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

Die Person, die sich verändern will, muss den Unterstützungspersonen vertrauen. Es ist gut, wenn die Unterstützungspersonen der planende Person Mut machen. Die Unterstützungspersonen können Vorschläge machen oder Ideen erzählen.

Aber es ist ganz wichtig, dass immer die Person, die plant, für sich selbst entscheidet, was sie möchte. Sie entscheidet, welche Ideen ihr gefallen. Und sie entscheidet auch, was als nächstes gemacht werden soll. Es geht um ihr Leben, deshalb muss die planende Person sagen, was sie will.

Diese Dinge sind für Persönliche Zukunftsplanung also wichtig:
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Beispiel für ein Arbeitsblatt

"Was ich gut kann ..." 9 gute Dinge über mich

Dieses Arbeitsblatt ist eine Möglichkeit, sich zu überlegen, was man gut kann.

Bitte klicken Sie hier und Sie kommen zu dem Arbeitsblatt.

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Für wen ist Zukunftsplanung?

Persönliche Zukunftsplanung ist für alle Menschen, die sich überlegen wollen, wie ihre Zukunft sein soll.

Persönliche Zukunftsplanung ist besonders gut für Menschen, bei denen sich in ihrem Leben gerade etwas verändert.

Zum Beispiel:

Persönliche Zukunftsplanung ist besonders gut für Menschen, die nicht alleine überlegen wollen.

Es ist gut für Menschen, die Unterstützung wollen oder brauchen. Mehr Köpfe haben mehr Ideen.

Für Persönliche Zukunftsplanung ist es egal, ob eine Person behindert oder nicht behindert ist. Es ist egal, ob jemand sprechen kann oder sich anders mitteilt. Es ist egal, ob eine Person sehen kann oder nicht sehen kann.

Es ist egal, wie alt eine Person ist.

Persönliche Zukunftsplanung ist eine Sammlung von vielen verschiedenen Ideen und Möglichkeiten, wie man eine Person bei Veränderungen unterstützen kann.

Die Ideen und Möglichkeiten müssen immer zu der Person passen, die plant. In der nächsten Kurzinformation werden wir einige Ideen und Möglichkeiten genauer vorstellen.

So bunt und unterschiedlich wie die Ideen der Zukunftsplanung sind, so unterschiedlich sind auch die Menschen, die Zukunftsplanung für sich machen.

Auf den nächsten Seiten wollen wir ein paar Menschen vorstellen. Sie haben sich für eine Persönliche Zukunftsplanungen entschieden. Manche machen gerade eine Zukunftsplanung. Andere haben schon vor einer Weile eine Zukunftsplanung gemacht.

Diese beiden People First Mitglieder haben Ende Juli 2003 eine Zukunftsplanung für sich gemacht. Jetzt treffen sie sich weiter mit ihren Unterstützungskreisen:

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Lina Hoffmeister: Ich möchte mitmachen (Teil 1)

Wenn Sie mehr über Lina Hoffmeister, ihre Persönliche Zukunftsplanung und ihre Geschichten dazu erfahren möchten, klicken Sie bitte hier.

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Julia und Andreas Hoffmann: Unsere Zukunftsplanung

Im Nachfolgenden berichten Julia und Andreas Hoffmann über ihre Zukunftsplanung. Der Text entstand nach einem Gespräch, das Carolin Emrich im August 2003 mit Julia und Andreas geführt hat.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Zukunftsplanung für euch zu machen?

Julia und Andreas Hoffmann bei ihrer Hochzeit.

Wir sind Mitglieder der People First Gruppe in Hamburg. Bei einer Sitzung der Gruppe im Winter 2000 warst du zu Gast, um etwas über Persönliche Zukunftsplanung zu erzählen. Außerdem hat uns ein anderes Mitglied der Gruppe an dem Abend auch ihre eigene Zukunftsplanung vorgestellt. Das hat uns beeindruckt. Wir waren neugierig und begeistert und wollten gerne auch einmal eine Zukunftsplanung für uns entwickeln. Die Zukunftsplanung sollte ein Leitfaden für unsere gemeinsame Zukunft sein.

Wann habt ihr eure Zukunftsplanung entwickelt?

Das war 2001. Da haben wir uns mit diesem Wunsch an dich gewendet und uns insgesamt 2 Mal mit dir zum Planen getroffen. Ein Mal im Februar 2001 und ein Mal im Mai 2001.

Was war damals euer Ausgangspunkt? Oder anders gefragt: Was war bei euch Stand der Dinge im ersten Halbjahr 2001?

Andreas: Ich hatte eine eigene Wohnung. Ich arbeitete als Montagehelfer, war aber mit der Arbeitsstelle unzufrieden und es gab Probleme zwischen mir und meinem Chef.

Julia: Ich war damals arbeitslos und machte gerade eine Therapie. Auch ich hatte eine eigene Wohnung, lebte aber die meiste Zeit bei Andreas. Im Wohnalltag habe ich Unterstützung bekommen.

Wegen der engen Wohnsituation gab es häufiger Beziehungsstress. Wir beschlossen auf Wohnungssuche zu gehen. Damals kannten wir uns etwa 1 Jahr. Am 24.3.01 haben wir uns verlobten.

Ansonsten ist noch zu berichten, dass unsere damaligen UnterstützerInnen häufiger hinter unserem Rücken über uns geredet haben - das fanden wir nicht okay. Außerdem gab es Schwierigkeiten zwischen uns und unseren Müttern.

Für welchen Zeitraum habt ihr geplant?

Wir haben uns für unsere Planung einen Zeitraum von 4 Jahren ausgesucht, also von Februar 2001 bis Februar 2005.

Hattet ihr Träume oder Dinge, die euch wichtig waren?

Als Richtungsweiser für unsere Planung haben wir damals diese wichtigen Dinge im "Polarstern" unserer Planung festgehalten:

Und nun zu den Zielen eurer Planung: Was habt ihr geplant?

Wir haben uns mehrere Ziele vorgenommen. Bis Februar 2005 woll(t)en wir zum Beispiel folgende Ziele erreichen:

Die Besonderheit an eurer Zukunftsplanung ist, dass ihr ohne UnterstützerInnen geplant habt. Warum?

Das haben wir gemacht, weil uns das Vertrauen in unsere Familien und Unterstützer und Unterstützerinnen aus dem Wohnbereich gefehlt haben. Es war niemand in der näheren Umgebung, den wir uns als UnterstützerIn bei unserer Planung vorstellen konnten. Wir hatten Bedenken, dass die Menschen aus unserer Umgebung uns eher Steine in den Weg legen, uns nichts zutrauen und unsere Pläne als Quatsch empfinden. Deshalb haben wir uns entschieden, auf Unterstützer und Unterstützerinnen zu verzichten und die Planung nur mit dir zu entwickeln.

Mittlerweile ist es Sommer 2003. Seit eurem ersten Planungstreffen sind fast 2 ½ Jahre vergangen. Was ist heute Stand der Dinge bei euch?

Am 14.02.03 haben wir geheiratet! Es gab ein großes und sehr schönes Fest. Außerdem wohnen wir seit Oktober 2001 zusammen in einer 2 ½ -Zimmer-Wohnung in Hamburg-Dulsberg. Wir wollen immer noch Kinder.

Und das Thema "Abgrenzung von unseren Eltern" ist noch immer ein Thema von uns.

Nachdem Julia ihren Betreuungsverein gewechselt hat, werden wir jetzt beide vom gleichen Verein unterstützt. Jeder von uns bekommt 1x pro Woche eigene Unterstützung und alle 14 Tage bekommen wir auch gemeinsame Unterstützung.

Wir sind in unserer People First-Gruppe in Hamburg sehr aktiv. Wir sind jetzt beide im Vorstand der Gruppe, Andreas ist sogar 2. Vorsitzender.

Was unsere berufliche Situation betrifft, sieht es so aus:

Andreas: Ich habe seit dem 1.8.03 eine neue Arbeitsstelle. Bei diesem Job geht es darum, Mousepads zu stanzen und zu kleben.

Julia: Ich habe an einer Integrationsmaßnahme teilgenommen. Diese Maßnahme ist beendet und ich habe mich entschieden, in die Werkstatt (WfbM) zu gehen und dort zu arbeiten. Los geht es am 1.9.03. Meine Aufgabe wird es sein Brötchen zu schmieren und zu verkaufen und Kaffee auszuschenken.

Wie hat die Umsetzung eurer Zukunftsplanung bisher geklappt?

Von dem, was wir uns bei unserer Planung vorgenommen haben, haben wir schon ganz schön viel erreicht. Alles hat recht reibungslos geklappt.

Julia: Manchmal waren wir noch unsicher, ob wir wirklich diesen Schritt wagen sollten, denn Menschen in unserer Umgebung haben uns verunsichert. Wir haben geheiratet, weil wir uns lieben und mögen und weil wir eine Familie gründen wollen. Manchmal gibt es Konflikte, Missverständnisse und Machtspiele. Das ist nicht einfach, aber mit Unterstützung lernen wir einen neuen Weg zu gestalten. Wir wollen so die Ziele unserer Zukunftsplanung gemeinsam erreichen.

Würdet ihr heute wieder ohne UnterstützerInnen planen?

Nein! Heute würden wir gerne UnterstützerInnen in unsere Planung einbeziehen. Wir haben gute UnterstützerInnen gefunden, in die wir Vertrauen haben und mit denen wir jetzt gerne planen würden. Diese UnterstützerInnen lassen uns Freiraum. Sie zeigen uns einen Leitfaden, geben uns auch Anregungen. Aber die Entscheidungen bleiben immer uns überlassen. Weil das so ist, hat auch die Umsetzung unserer bisherigen Ziele so gut geklappt.

Würdet ihr so eine Zukunftsplanung wieder machen und würdet ihr anderen auch Mut machen, so etwas einmal auszuprobieren?

Ja. Auf alle Fälle.

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"Mein Traumjob soll kein Traum bleiben"

Maik Kasang plant mit seinem Unterstützerkreis in Lübeck seinen Übergang von der Schule in den Beruf.

Maik Kasang ist 17 Jahre alt und kommt aus Lübeck. Er mag gerne mit dem Speedy-bike fahren, mit Bekannten telefonieren, Lasagne essen und mit dem Computer spielen und arbeiten. Er ist bis zum 10. Schuljahr in eine Gesamtschule in eine Integrationsklasse gegangen. Sein Berufswunsch ist mit dem Computer in einem Büro außerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen zu arbeiten.

Maik Kasang mit seinem Rollstuhfahrrad. Daneben steht sein Cousin.

Maik Kasang diesen Sommer mit seinem Cousin im Urlaub auf Bornholm

Da dies in Lübeck gar nicht so einfach zu verwirklichen ist, hat Maik verschiedene Menschen, die ihn bei seinem Ziel unterstützen können, zu einem Treffen eingeladen. Dort hat Maik eine persönliche Zukunftsplanung gemacht. Das erste Treffen des Unterstützerkreises fand am 12. Februar 2002 statt. Maik hat viele Menschen zu seinem Unterstützerkreis eingeladen und es sind viele gekommen: Freunde, Familie, der Zivi und Ex-Zivis, Lehrer und Lehrerinnen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vom Integrationsfachdienst, eines Bildungsträgers und der Werkstatt für behinderte Menschen, die Krankengymnastin, jemand aus dem Jugendzentrum und ein Gesprächsleiter. Der Unterstützungskreis trifft sich etwa alle 2-3 Monate und es hat bisher 10 Treffen gegeben. Einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Unterstützungskreises sind immer dabei, andere nur manchmal.

Das Ziel der Zukunftsplanung des ersten Jahres war es, dass Maik im 10. Schuljahr weiterhin zwei Tage in der Woche zur Schule geht und an drei Tagen verschiedene Praktika in Betrieben macht. In der Schule wollte Maik noch Deutsch und Mathe lernen. Dies war gar nicht so einfach durchzusetzen, weil erst einige Lehrer dagegen waren, dass Maik noch das 10. Schuljahr in der Schule besucht. Schließlich hat die Schule entschieden, dass Maik doch noch weiter zur Schule gehen darf und an drei Tagen Praktika machen kann.

Den Erfolg hat Maik mit seinem Unterstützungskreis und einem großen Lasagneessen gefeiert. Dann galt es geeignete Praktikumsstellen zu finden. Dies war auch nicht so einfach. Doch mit der Unterstützung des Unterstützungskreises hat es schließlich geklappt. Maik hat im ersten Jahr vier Praktika gemacht: In der Poststelle der Stadtverwaltung, im Umweltamt und in zwei Abteilungen der Firma Dräger.

Maik Kasang sitzt an einem Schreibtisch. Er hält einen Brief in der Hand.

In diesem Jahr ging es nun darum eine neue Schule und ein Langzeitpraktikum für ein Jahr zu finden. Seit August 2003 geht Maik zwei Tage in eine Körperbehindertenschule, um seine Allgemeinbildung weiter zu verbessern und macht drei Trage in der Woche ein Praktikum in der Verwaltung einer Altentagesstätte.

Der Unterstützungskreis war wichtig, damit Maik seine Ziele erreichen konnte. Wir sind alle gespannt, wie es weiter geht. Es liegt sicherlich noch viel Arbeit vor uns - aber allen Beteiligten hat es trotz vieler Probleme auch immer wieder Spaß gemacht.

Maik Kasang und Stefan Doose (Unterstützer)

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