Persönliche Zukunftsplanung - Kurzinformation
"Es geht weiter!"
Im Jahr 2003 gab es das von der Aktion Mensch geförderte Projekt Zeit für Veränderungen.
Träger des Projektes war der Verein Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V..
Zeit für Veränderungen war wichtig. Durch das Projekt ist viel in Gang gekommen:
Alle diese guten Dinge, die letztes Jahr in Gang gekommen sind, sollen auch weiter gehen, denn Persönliche Zukunftsplanung ist eine gute Idee für viele Menschen, nicht nur für behinderte Menschen.
Mensch zuerst - das Netzwerk People First Deutschland e.V. bleibt auch in Zukunft eine Anlaufstelle für Persönliche Zukunftsplanung.
Das bieten wir an:Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V.
Stefan Göthling oder Susanne Göbel
Kölnische Str. 99
34119 Kassel
Telefon: (0561) 7 28 85 55
Fax: (0561) 7 28 85 58
E-Mail: stefan.goethling@people1.de oder
susanne.goebel@people1.de
"Die Methoden-Schatzkiste der Persönlichen Zukunftsplanung
Persönliche Zukunftsplanung ist nicht EINE Sache oder EINE Methode.
Persönliche Zukunftsplanung ist eine Sammlung ganz verschiedener Ideen und Methoden, wie man mit Menschen gemeinsam über ihre Zukunft nachdenken kann.
Die Ideen und Methoden sind so vielfältig wie es die Menschen sind, die über ihre Zukunft nachdenken.
Deshalb eine Idee von uns:
Jede Person, die für andere Menschen Persönliche Zukunftsplanungen anbietet, kann sich selbst ihre Methoden-Schatzkiste der Persönlichen Zukunftsplanung anlegen.
In dieser Schatzkiste sollten alle Arbeitsblätter, Materialien, und auch Ideen der Persönlichen Zukunftsplanung einen Platz finden.
Damit Ihre Schatzkiste gefüllt wird, stellen wir Ihnen ab jetzt immer wieder unterschiedliche Methoden und praktische Umsetzungsmöglichkeiten der Persönlichen Zukunftsplanung etwas ausführlicher vor. Schwerpunkt dieser Kurzinformation ist die Methode PATH - Planning Action to Help.
PATH - "Ich gehe meinen Weg!"
Die Worte PATH stehen für PATH - Planning Action to Help. Das bedeutet auf Deutsch: Aktionen planen, um zu helfen. Das Wort path heißt aber auch Weg.
PATH-Treffen sind eine Möglichkeit, wie man Zukunftsplanungs-treffen machen kann. Die Idee der PATH-Treffen stammt aus Kanada und den USA. Marsha Forest, Judith Snow, John O'Brien und Jack Pearpoint haben die Idee Anfang der 90er Jahre entwickelt.
Wir stellen Ihnen jetzt vor, wie man ein PATH-Treffen gestalten kann und an was man alles denken muss.
Wenn jemand einen PATH für sich macht, macht sich diese Person auf den Weg. Sie plant, was sie tun kann, um ihren Zielen näher zu kommen.
Wer ist bei den Treffen dabei?Bei einem PATH-Treffen werden 8 einzelne Schritte besprochen.
Dafür malt man einen großen Pfeil auf. Am besten nimmt man eine große Packpapierrolle oder die Rückseite einer Tapetenrolle. Das Papier befestigt man an einer ebenen Wand, auf der man gut schreiben und/oder malen kann.
Als Stifte kann / sollte man dicke Faserstifte in allen nur möglichen Farben nutzen.
Vorsicht: Viele dicke Faserstifte gehen durch das Papier durch, deshalb entweder eine abwaschbare Wand oder mindestens eine doppelte Lage Papier nehmen.
In den Pfeil werden alle wichtigen Dinge geschrieben, über die bei dem Planungstreffen gesprochen wird.
Jeder PATH ist in mindestens 8 Teile eingeteilt. So sieht ein PATH in der Regel aus:
Der 1. PATH-Schritt: Der Nordstern als Richtungsweiser
Der Nordstern (Ziffer 1) zeigt die Richtung. Er ist ein Richtungsweiser, der der Hauptperson den Weg zeigt. Der Nordstern ist ein Bild für alle die Dinge, die im Leben der Hauptperson ganz wichtig sind. Das sind zum Beispiel Werte und Vorstellungen, die bei dem Weg in die Zukunft nicht aus dem Blick geraten sollen. Diese Dinge sind immer wieder wichtig, um zu sehen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Solche Dinge können zum Beispiel Freundinnen und Freunde oder 'verstanden werden' sein. Diese Dinge können um den Nordstern herum aufgeschrieben oder aufgemalt werden.
Unterhalb des Nordsterns, vor dem Kreis, ist auch noch Platz für die Träume und Wünsche der Person. An dieser Stelle des PATH-Treffens soll die Hauptperson grenzenlos träumen. Hier kann sie alles erzählen, was sie sich schon immer wünscht. Hier kann sie alles erzählen, wovon sie schon immer träumt.
Es ist wichtig, dass die Hauptperson an diesem Punkt nicht gebremst wird oder sich selbst bremst. "Ja, aber ..."-Sätze (zum Beispiel "Ja, aber das geht doch gar nicht." oder "Ja, aber das kannst du doch gar nicht.") sind an dieser Stelle nicht erlaubt.
Alle Träume, Wünsche und Werte werden aufgeschrieben. Oder besser noch: Alles wird gemalt. Es ist immer wichtig, dass die Hauptperson gefragt wird, was für ein Bild sie gerne gemalt haben will. Wie ‚fühlt' sich der Traum für die Hauptperson an.
Zum Beispiel: Wenn die Hauptperson ihr Traumhaus beschreibt, sollte das Bild so aussehen, wie sich die Person ihr Haus auch vorstellt. Ist es eine Villa, ist es ein modernes oder ein Fachwerkhaus?
Der 2. PATH-Schritt: Die Ziele
Der Kreis (Ziffer 2) ist für Ziele da. Erst einmal bestimmt die Hauptperson, für welche Zeit sie planen will: Will sie für ein halbes Jahr planen? Für 1 Jahr? Oder für noch länger? Dann erzählt die Hauptperson, welche Ziele sie in dieser Zeit erreichen will.
Zum Beispiel: Die Hauptperson will für 1 Jahr planen. An dieser Stelle in dem PATH-Treffen wollen alle natürlich wissen, welche Ziele die Hauptperson in diesem 1 Jahr erreicht haben will. Dafür tun jetzt einfach alle so, als ob das 1 Jahr schon vorbei ist. Die Hauptperson und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer ‚fliegen' dafür mit einer Zeitmaschine in Gedanken 1 Jahr weiter. Und alle gehen davon aus, dass dieses vergangene 1 Jahr ein sehr erfolgreiches Jahr war. Die Hauptperson hat nämlich ihre Ziele erreicht.
Auch an dieser Stelle gibt es dann wieder Fragen:Die Hauptperson sollte ihr ‚neues' Leben möglichst genau beschreiben.
An dieser Stelle gibt es 3 wichtige Regeln:
Der 3. PATH-Schritt: "Das Leben jetzt und heute"
An dieser Stelle steigen die Hauptperson und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer wieder aus der Zeitmaschine aus. Sie befinden sich wieder im Jetzt und Heute. Auf dem Bild ist dafür im Feld ganz links Platz, am Anfang des Pfeils (Ziffer 3).
An dieser Stelle im PATH-Treffen geht es darum, wie die Hauptperson jetzt und heute lebt. Hier sollten vor allem die Lebensumstände beschrieben werden, die mit den Zielen aus dem Kreis (Ziffer 2) zu tun haben.
Zum Beispiel: Hat sich die Hauptperson vor allem Ziele im Bereich Arbeit gesteckt, ist es wichtig, dass an dieser Stelle auch vor allem die heutigen Lebensumstände in Bezug auf Arbeit beschrieben werden.
Hier einige hilfreiche Fragen:Der 4. PATH-Schritt: "Die Unterstützerinnen und Unterstützer"
Auf dem Pfeil geht es für den nächsten Schritt weiter zum 2. Feld von links (Ziffer 4). Dort heißt die Überschrift "Meine / Unsere Bündnispartner".
Hier geht es darum, dass sich die Hauptperson und die anwesenden Unterstützerinnen und Unterstützer überlegen, welche Menschen der Hauptperson helfen könnten, ihre Ziele aus dem Kreis (Ziffer 2) zu erreichen.
Auch hierzu gibt es wichtige Fragen:Außer den Namen der Unterstützerinnen und Unterstützer sollte auch noch aufgeschrieben werden, welche Unterstützung sich die Hauptperson von den jeweiligen Unterstützungspersonen denn wünscht.
Der 5. PATH-Schritt: "So tankt die Hauptperson Kraft"
Das PATH-Treffen geht weiter und so geht es auch in dem Pfeil weiter nach rechts. Der nächste Schritt führt zum 3. Feld von links (Ziffer 5); die Überschrift lautet dort "Meine / Unsere Stärkung".
In diesem Feld geht es um all die Dinge, die einen stark machen und die einem Kraft geben. Um ihre Ziele zu erreichen, braucht die Hauptperson Kraft und Durchhaltevermögen. Der Weg hin zu den gesetzten Zielen ist nicht immer leicht, sondern auch manchmal anstrengend.
Dinge, die der Hauptperson Kraft geben, können ganz unterschiedlich sein. Das kann eine nette Freizeitunternehmung sein, zum Beispiel lange Spaziergänge am Meer. Es kann aber auch ein bestimmtes Wissen sein, das die Hauptperson noch braucht. Es kann auch eine regelmäßige Verabredung mit der besten Freundin sein.
Deshalb wird im 5. PATH-Schritt überlegt, was die Hauptperson stark macht und was ihr Kraft gibt, wenn sie einmal mutlos ist.
Wichtige Fragen sind:Der 6., 7. und 8. PATH-Schritt: "Der Plan für die nächsten Monate"
Wenn die Hauptperson ihre Ziele erreichen will, kann sie nicht alles auf einmal machen und erreichen. Die Arbeit sollte in einzelne Schritte aufgeteilt werden. Dann wird es leichter.
Dafür sollte sich die Hauptperson mit ihren Unterstützerinnen und Unterstützern zusammen dies hier überlegen:
Wie viele einzelne Schritte soll ihr Weg haben? Sind es 2, 3 oder noch mehr Schritte?
Für jeden Schritt braucht man in dem PATH-Pfeil Platz zum Aufschreiben oder Malen. Die Hauptperson bestimmt selbst, wie viele einzelne Schritte sie braucht oder haben will. Sie bestimmt auch, bis wann sie jeden Schritt gemacht haben will.
In unserem Beispiel-PATH, bei dem für 1 Jahr geplant wird, gibt es 3 Schritte:Ob man die Planung in dieser Reihenfolge, also sozusagen von "hinten" nach "vorne" oder aber in umgekehrter Reihenfolge, bei der man mit dem nächsten Schritt anfangen würde, macht, ist Geschmackssache.
Es hängt zum Beispiel davon ab, wie viel Zeit man bei dem PATH-Treffen hat. Ist man in Zeitnot, sollte man vor dem Auseinandergehen in jedem Fall noch den nächsten Schritt planen. Hat man etwas mehr Zeit, ist es sinnvoll die vorgeschlagene Reihenfolge einzuhalten.
Noch ein paar Tipps!
Egal, für welche Reihenfolge sich die Hauptperson entscheidet, egal, wie viele einzelne Schritte die Hauptperson planen will, sollten bei der Planung aller Schritte immer diese Dinge überlegt werden:Zum guten Schluss ... Probieren geht über Studieren!
PATH-Treffen leben davon, dass etwas in Gang kommt und sich dadurch Dinge im Leben und das Leben der planenden Hauptperson selbst verändern.
PATH-Treffen leben davon, dass Menschen zusammen kommen, um mit der planenden Person als Unterstützerinnen und Unterstützer neue, kreative und lebendige Ideen für eine gute Zukunft zu entwickeln.
PATH-Treffen hören sich in der Theorie kompliziert an - in Wirklichkeit sind sie für die planende Person eine kraftvolle Möglichkeit, sich Schritt für Schritt auf den Weg in ihre gewünschte Zukunft zu machen.
PATH-Treffen brauchen etwas Übung und neben der Hauptperson und ihren Unterstützern und Unterstützerinnen deshalb eine Gesprächsleitung, die für die Treffen den roten Faden im Blick hat.
PATH-Treffen dürfen nicht Theorie bleiben - PATH-Treffen werden erst so richtig lebendig, wenn man sich an sie ran wagt.
Egal, ob Sie für sich ihre Zukunft planen wollen oder ob Sie ein PATH-Treffen für jemand anderen moderieren wollen ... Probieren geht über Studieren!
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern Mut, die Methode PATH auszuprobieren, denn ...
"Die ist gut verlaufen!" - Thomas Kollmann erzählt über seine Zukunftsplanung
Thomas, du hast ja diesen Sommer während der Sommeruni in Bremen eine Zukunftsplanung für dich gemacht. Kannst du mir darüber bitte etwas erzählen?
"Ich habe die Zukunftsplanung gemacht, weil ich gedacht habe, weil die mir helfen kann. So eine Zukunftsplanung ist ja auch gut, weil da weiß man, was man im Leben noch vorhat, was man erleben kann und was man für Überraschungen erleben kann."
"Die Zukunftsplanung ist ja gerade auch in Arbeit. Da sind ja auch ein paar Sachen eingetroffen. Mit dem Gericht und mit der Juliane. Das ist ja auch schon passiert. Wir haben auch einiges erreicht bei dem 1. Treffen und so."
Hat es dir Spaß gemacht, die Zukunftsplanung zu machen?
"Sehr viel Spaß! Es war interessant und spannend. Aber aufgeregt war ich schon."
Und was hat dir am besten gefallen?
"Dass ich die Leute kennen gelernt habe und einen Unterstützungskreis gefunden habe."
Auf dem Plakat auf der folgenden Seite finden Sie die Träume und Ziele von Thomas Kollmann.
"Das sind meine Träume:Demnächst mehr!"
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